Jeder von uns trägt ein inneres Kind in sich, das gehört werden will, Anerkennung und Zuwendung braucht.

Das innere Kind wartet still. Es wartet geduldig darauf, dass die erwachsene Frau es wahrnimmt, mit ihm spricht. Es fragt sich, wie viele Nächte, Monate oder Jahre es noch darauf warten muss. Es fragt sich: "Wie kann ich ihre Aufmerksamkeit auf mich lenken? Wie kann ich sie dazu bringen, mit mir zu reden, mich anzuhören?"

Es denkt an vergangene Erfahrungen mit Eltern und Lehrern zurück und erinnert sich, dass man oftmals unartig oder frech sein musste, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Das half immer. So überlegt es...wenn ich das innere Kind bin, was könnte ich Unartiges tun, um Aufmerksamkeit zu bekommen? Das Kind vertraut seiner Intuition und tut das, was sie ihr sagt.

Die erwachsene Frau bemerkt plötzlich, dass sie übermäßig viel isst, Wut, Traurigkeit und Angst verspürt. Als vernünftige Erwachsene kann sie nicht erkennen, woher ihr Verhalten kommt. Als sie jedoch darüber nachdenkt, hat sie das Gefühl, dass es etwas mit ungelösten Konflikten zu tun hat. "Was sind das für Konflikte? Wo liegt das Problem?", fragt sie sich.

Das Kind ruft! "Hör mir zu! Schenk mir deine Aufmerksamkeit! Ich kann dir helfen. Ich habe dir viele Erkenntnisse, aber auch viel Vergnügliches zu bieten. Wir können so viel Spaß zusammen haben, so viel Liebe und Freude erfahren. Komm zu mir. Berühre mich, fühle mich, heile mich. Im Gegenzug werde ich dich berühren, fühlen und heilen." Die erwachsene Frau ist verwirrt. Sie spürt das Bedürfnis, Zuwendung zu geben und zu erfahren. Sie spürt, dass sie verletzt ist, aber kann die Verletzung nicht sehen. Sie spürt, dass irgendetwas an die Oberfläche kommen möchte. Was ist es?

Das Kind ruft: "Ich bin es! Ich bin hier und rufe nach dir. Ich brauche dich. Ich liebe dich. Ich kann dein Partner sein, dein Helfer, dein Führer. Alles, was du tun musst, ist, meine Gegenwart anzuerkennen. Hör auf, mich zu ignorieren. Hör auf, dir vorzumachen, dass du erwachsen bist und das nicht mehr nötig hast. Komm auf den Boden zurück. Werde dir wieder deines Körpers bewusst – er ist der einzige, den du hast, und er gehört uns. Uns beiden. Dem inneren Kind und der Erwachsenen.

"Ich bin der Teil von dir, den du in dir versteckt hast – der sensible, liebende, lebhafte Teil! Das bin ich! Du bist der ernste Teil, der, der keine Zeit hat, zu spielen oder einfach nur 'zu sein'. Du bist so beschäftigt...willst immer alles besser machen, um zu wachsen, beruflich und privat voranzukommen, etc. Ich will einfach nur fröhlich und glücklich sein.

"Es ist in Ordnung, hin und wieder traurig zu sein, aber ich möchte nicht, dass es zur Gewohnheit wird. Ich fühle es, lasse es heraus und gehe weiter! Du als Erwachsene scheinst es zu genießen, in diesem ganzen Mist zu leben. Ich nicht! Ich bin ein Kind, ich will spielen und das Leben genießen! Ich glaube nicht, dass wir hier sind, um uns elend zu fühlen. Ich glaube, das haben ein paar Leute eingeführt, die sich elend fühlen und wollen, dass es jedem ergeht wie ihnen. Ich akzeptiere das nicht! Ich weise diesen Gedanken zurück!

"Ich glaube, dass Gott uns erschaffen hat und uns liebt. Er will bestimmt, dass wir glücklich sind! Wollen nicht auch alle Eltern im Grunde ihres Herzens, dass ihre Kinder glücklich sind? Nur haben auch sie ihr inneres Kind begraben und denken, dass Glücklichsein heißt, einen guten Job, ein großes Haus, ein sicheres Einkommen und all diese Dinge zu haben. Wir inneren Kinder wissen, dass das alles Blödsinn ist. Wirklich wichtig sind nur Liebe, Freude und Einfachheit. Wir brauchen keine Fantasiespielzeuge. Wir brauchen nur einen liebevollen Schoß, auf dem wir sitzen können und uns geliebt fühlen.

"Ihr Erwachsenen macht alles so kompliziert! Gebt uns einen KUSS! Ja! K.U.S.S. Ganz einfach! Schau nach innen und lade dein inneres Kind dazu ein, mit dir zu spielen. Sag ihm, dass es ok ist. Dass du es nicht mehr anschreien wirst oder ihm sagen wirst, es solle abhauen, oder es verhalte sich nicht, wie es sich gehört.

"Du hast mir gesagt, es gehöre sich nicht, auf der Straße zu tanzen, mit den Vögeln zu singen oder mit Unbekannten zu reden, die ich auf der Straße treffe – du nennst sie Fremde. Du hast mir gesagt, es gehöre sich nicht, verspielt und kindlich zu sein, und ich solle mich meinem Alter entsprechend benehmen. Nun, ich habe gute Nachrichten für dich. Ich bin ein inneres Kind und ich bin ewig jung...ich bin so alt, wie ich sein will. Heute will ich fünf Jahre alt sein. Deshalb ist es in Ordnung, zu singen und zu tanzen und jedem, den ich treffe, Liebe zu zeigen, denn ich weiß, dass Gott mich liebt und dass mich auch jeder andere liebt, denn Gott ist in jedem Menschen.

"Weißt du, was sich nicht gehört? Wenn du mich mit deinen erwachsenen, konfusen Überzeugungen erschreckst. Du hast ein Weltbild, das ich nicht mag, und du versuchst, mir Angst zu machen und mich dazu zu bringen, das zu tun, was du willst, indem du mir von deinem Weltbild erzählst. Dein Bild ist aber ganz falsch! Weißt du, warum? In deinem Weltbild herrscht ein böser Gott, der Kinder bestraft und sehr wütend wird, wenn sie einen Fehler machen. Mein Gott dagegen liebt mich und auch dich. Mein Gott erschreckt keine kleinen Kinder. Stattdessen schenkt er mir die zwitschernden Vögel, Obstbäume, die mir Nahrung geben, Sonne, die mir Licht und Wärme gibt, Gras, auf dem ich liegen kann, Tiere, mit denen ich spielen kann, und viele andere gute Dinge.

"Dein Weltbild ist ein Horrorfilm, den du selber produziert hast, und ich sehe keine Horrorfilme. Wenn du also weiter Horrorfilme sehen willst, dann lass mich bitte raus. Erzähl mir nicht einmal davon. Ich will keine widerlichen Geschichten hören. Sie machen mir Bauch- und Herzschmerzen.

"Wenn du aber eine schöne Liebesgeschichte mit mir sehen und erleben willst, dann schalte doch einfach um auf das Programm "Inneres Kind". Wir können einander kennen lernen und viel Spaß, Liebe und Frieden erleben.

"Du weißt wahrscheinlich nicht einmal, wo ich bin. Nun, das liegt daran, dass ich Angst vor dir habe und mich verstecke. Ich würde vorschlagen, du zähmst mich, so wie du es mit einem ängstlichen Kätzchen tun würdest. Stell dir einfach vor, dein inneres Kind ist ein ängstliches Kätzchen, das sich unter dem Bett versteckt. Was machst du nun? Vielleicht beginnst du, sanft und liebevoll zu ihm zu sprechen, auch wenn du es nicht sehen kannst. Dann bringst du ihm vielleicht ein Schälchen warme Milch (mir würde ein Schälchen bedingungslose Liebe genügen), weichst ein wenig zurück und redest weiter ganz sanft mit ihm.

"Nach einer Weile spähe ich vielleicht um die Ecke, um mich zu vergewissern, dass du wirklich da bist und dass du mich nicht wieder verurteilen und kritisieren wirst...schließlich hast du das lange Zeit getan. Wenn ich spüre, dass du wirklich bereit bist, mich zu lieben und nett zu mir zu sein, werde ich hervorkommen und wir können miteinander reden und spielen.

Eine andere Möglichkeit, mit mir Kontakt aufzunehmen, wäre, auf das zu hören, was du Intuition nennst. Oft bin ich es und will dir sagen, was uns jetzt gut tun würde. Wenn du also das nächste Mal das Gefühl hast, es würde dir gut tun, einen Spaziergang zu machen, laut zu singen oder zu tanzen...sei aufmerksam. Das bin wahrscheinlich ich und möchte mich zu Wort melden. Je mehr Zeit du damit verbringst, die Dinge zu tun, die ich gerne mag, desto mehr wirst du meine Genwart spüren und unsere gemeinsame Zeit genießen.

"Fahre fort, mit mir zu reden. Bald wirst du mich hören können. Du merkst schon, dass ich sehr leise spreche, denn ich bin klein und habe manchmal Angst vor dir, denn du bist groß und redest laut und barsch. Höre einfach leise zu, dann wirst du mich hören. Denke daran, dass ich dich liebe und Zeit mit dir verbringen möchte. Ich weiß, wenn du einmal beginnst, Zeit mit mir zu verbringen, wirst du viel glücklicher sein als du es jetzt bist. Du wirst plötzlich feststellen, dass du einfach zu singen anfängst und vielleicht kleine alberne Tanzschritte auf der Straße machst. Die Leute werden dich ohne besonderen Grund anlächeln, wenn du an ihnen vorbeigehst, denn ihr inneres Kind wird mich erkennen und sich auch zeigen.

"Kann ich hervorkommen und mit dir spielen? Ich liebe dich so sehr! Ich hoffe, du kommst mich oft besuchen und verbringst viel Zeit mit mir! Wir können wirklich wunderschöne Stunden miteinander erleben, du und ich."

In Liebe,
Dein inneres Kind

Autor: Marie T. Russell
Übersetzung: Barbara Diertl

Übersetzt aus "Inner Child Speaks"
bei www.innerself.com.


Empfohlene Buecher (English): 

Journey to the Heart: Daily Meditations on the Path to Freeing Your Soul
by Melody Beattie.

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